Bordeaux 2025: Die Vereinigung aller grossen Jahrgänge.
2025 bieten sämtliche Appellationen fantastische Qualitäten – von den Spitzen- bis zu den Alltagsweinen!
Grosse Jahrgänge in Bordeaux waren in letzter Zeit keine Seltenheit. Es war auch immer im Vorfeld schon bekannt, dass es sich um einen sehr guten bis grossen Jahrgang handelt. Die Einschätzungen haben sich auch regelmässig bestätigt. Zuletzt war 2022 so ein Jahr, das in den höchsten Tönen gelobt wurde, bevor wir die Weine selbst probieren konnten. Es hat sich dann auch bestätigt, dass das einer der allerbesten Jahrgänge aller Zeiten war.
Euphorie über den Jahrgang 2025.
Was wir im Vorfeld über den Jahrgang 2025 erfahren haben, stellt aber alles bisher Erlebte bei weitem in den Schatten. Die Berichte sind geradezu euphorisch. Und das auch von Leuten, die früher eher zurückhaltend waren, mit Lob für diesen Jahrgang. Es ist die Rede von einer neuen Dimension Wein. Nochmals deutlich besser als 2005, 2009, 2010, 2015, 2016, 2018, 2019, 2020, 2022? Irgendwie scheint das weder möglich noch vorstellbar. Die Vorfreude, das zu verifizieren, war natürlich riesig.
Nach einer Woche können wir schon sagen: Der Jahrgang 2025 ist definitiv grandios und auch sehr aussergewöhnlich. Das Wetter war extrem heiss und trocken. Die Rebe schützt sich selber, indem sie sich verschliesst, wenn die Bedingungen zu extrem werden. So schritt denn der Reifeprozess nur langsam voran, sodass die Trauben bei der Ernte zwar perfekt reif, aber noch total frisch waren. Die Beeren waren zudem sehr klein, was zur hohen Konzentration führte.
Wenn wir den neuen Jahrgang verkosten, ist immer die erste Frage, die wir uns stellen: «Mit welchem Jahrgang lässt er sich vergleichen?» Mir fällt da wirklich keiner ein, der Jahrgang ist komplett aussergewöhnlich, so etwas gab es noch nie. Nach den 44 Jahrgängen, die ich bisher in Bordeaux en Primeur verkostet habe, ist es das erste Mal, dass ich keinen vergleichbaren Jahrgang finde.
Um seine Qualitäten treffend zu beschreiben, muss ich mehrere grosse Jahrgänge zu Rate ziehen. Den 2022er betreffend hoher Konzentration (beim 25er ist diese durchschnittlich noch höher), in Sachen Frische den 2016er (die 25er haben aber auch noch etwas mehr davon), betreffend Extraktsüsse den 1989er, betreffend Harmonie den 1982er und als Zugabe gibt es noch den durchwegs moderaten Alkoholgehalt der 2025er. Man hält es kaum für möglich, dass solch extremen Gegensätze in den Weinen zu finden sind und sich zu einer vollendeten Symbiose verbinden. Das ist das Wunder von Bordeaux 2025.
Max Gerstl
Max besorgt den Einkauf bei den Weingütern und schildert seine Erlebnisse/Eindrücke voller Leidenschaft in periodisch erscheinenden Mailings. Die grossen Weine Europas und die schönsten Trouvaillen sollen auf dem direktesten Weg vom Weingut in die Keller unserer Kundschaft.
Sein Lieblingswein aus dem Gerstl-Sortiment: Clos Dubreuil - Cuvée Anna 2022, St-Emilion