Vom Gesetz her muss eine Auslese ein Mostgewicht von mindestens 83 Grad Oechsle aufweisen. Ein Spitzenproduzent wird heute aber kaum noch eine Auslese unter 100 Grad abfüllen. Diese Konzentration kann auch mit gesunden, hochreifen Trauben erreicht werden, aber immer mehr Produzenten gehen dazu über, nur noch Botrytis-Selektionen als Auslese abzufüllen. Nur noch selten gibt es trockene Auslesen. Über kurz oder lang werden wohl unter den Begriffen Spät- und Auslesen nur noch edelsüsse Weine abgefüllt. Im Auslese-Bereich gibt es besonders viele verschiedene Weintypen, von der strahlend klaren, rassigen Auslese aus gesunden Trauben bis zu konzentrierten Botrytis-Selektionen, die sich von Gesetzes wegen längst Beerenauslesen nennen könnten. Hier wird es auch schon etwas kompliziert, weil die an sich logischen Bezeichnungen feine Auslese und feinste Auslese mit dem leidigen Weingesetz von 1971 verboten wurden. So behilft sich heute jeder Produzent auf seine Weise, um seine besonders hochwertigen Auslesen zu bezeichnen. Der eine verziert sie mit Goldkapseln, respektive langen Goldkapseln, der andere mit ein bis fünf Sternen, und wieder andere geben den besten Auslesen Nummern, meist Fassnummern. Wobei man dann wissen muss, welche Fassnummer die beste ist, es ist nicht zwingend die höhere.
Auslesen können im ersten Jahr nach der Füllung ein Hochgenuss sein, danach lässt man sie mit Vorteil einige Jahre reifen. Einfachere Auslesen und solche aus kleineren Jahren beginnen sich schon nach 5 – 8 Jahren zu öffnen, während ganz grosse 10, 15 oder gar mehr Jahre brauchen. Eine gereifte Auslese ist zwar leiser, filigraner, zurückhaltender als eine junge, aber um ein Vielfaches komplexer.
Kategorie: Süsswein